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Im Rahmen dieses WGK gewährte uns Prof. Dr. Ralf Bebenroth am 15.Juni 2015 Einblicke in seine Forschungsarbeit zum japanischen Markt im Bezug auf Firmenübernahmen und –fusionen, oft abgekürzt als „M&A“.
Herr Bebenroth, der sich bereits seit seiner Dissertation mit den M&As in Japan beschäftigt,hielt sich von 2001 bis 2003 während der Postdoc-Phase mit dem DAAD-/MEXT-Stipendium für Forschungszwecke in Japan auf. Im Anschluss daran gelang es ihm dank eines Humboldt-JSPS-Forschungsstipendiums, an der Universität Osaka seinen Aufenthalt fortzuführen. Kontinuierlich präsent in der japanischen Wissenschaftslandschaft, erhielt er 2005 eine lebenslange Anstellung als Professor an der Universität Kobe.
Die Zahl japanischer M&As war in den letzten zwei Jahrzehnten hoch. Im Falle von Akquisitionen durch ausländische Firmen, so genannten „Inbound M&As“, konnten japanische Unternehmen ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit steigern, da ein wertvoller Wissenstransfer stattfand. Herr Bebenroth stellte allerdings auch fest, dass entgegen der gängigen Auffassung bei Inbound M&As meist wenig leistungsfähige japanische Firmen übernommen werden. Grund sei die bessere Marktkenntnis der japanischen Unternehmen, wodurch diese in der Vergangenheit am längeren Hebel saßen und schneller kauften als ihre ausländischen Konkurrenten.

Ein weiteres Forschungsfeld bildet die Analyse der Integrationsphase, in der die Mitarbeiter beider Unternehmen zu einem Team zusammengeführt und nötige Umstrukturierungen vorgenommen werden. Wissenschaftler sind sich einig, dass sich der Erfolg einer Akquisition genau dort entscheidet.

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So untersuchte Herr Bebenroth in Zusammenarbeit mit Prof. Maimunah Ismail aus Malaysia die Übernahme einer japanischen Firma durch einen deutschen Prüfdienstleister mit Sitz in Tokyo. Mithilfe der „Organizational Justice Theory“ untersuchten sie die Sichtweise der übernommenen Mitarbeiter im Hinblick auf Faktoren wie ‚faire Behandlung‘ und ‚Zufriedenheit mit der Arbeit‘ unter neuem Management. Dabei stellten sie fest, dass auch kulturelle Offenheit notwendig ist, damit die Integration in die ausländischen Unternehmen erfolgreich verläuft. Sie verglichen die Wahrnehmung älterer Mitarbeiter der Jahrgänge bis 1979 (Seniors) mit derer jüngerer Mitarbeiter der Jahrgänge 1980 bis 1997 (Millennials). Als Ergebnis hielten sie fest, dass Seniors kulturell offener, aber nicht zufriedener als die Millenials waren. Sie schlussfolgerten daher, dass bei Übernahmen besonderes Augenmerk auf die älteren Mitarbeiter gelegt werden muss.
Die Bedeutung der subjektiven Wahrnehmung von Faktoren wie Fairness sei auch weiterhin eine aktuelle Forschungsfrage. Eine weitere Studie, die Herr Bebenroth jüngst zusammen mit seinem Doktoranden Kai Oliver Thiele veröffentlicht hat, belegt, dass Fairness die Identifikation mit der akquirierenden Firma fördert.
In der sich an den Vortrag anschließenden Diskussion wurden besonders kulturelle Aspekte thematisiert, wie z.B. unterschiedliche Konzepte von Fairness in Ost und West sowie die von Japanern geschätzte Praxis deutscher Unternehmer, anders als etwa amerikanische Firmen Präsenz vor Ort zu zeigen.
Auch dieser WGK fand durch die Fortsetzung der Gespräche bei Sushi und einem Glas Bier einen gelungenen Abschluss.

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Der WGK
Zum Wissenschaftlichen Gesprächskreis, kurz WGK, finden sich ein Referent und Interessierte zusammen, um das vorgestellte Thema nach einem einleitenden Vortrag zu diskutieren. Der WGK bietet die Gelegenheit, das eigene Forschungsthema in einem kleinen Kreis in lockerer Atmosphäre vorzustellen. Als eine Kooperationsveranstaltung vom DAAD und der Japanese Society for Promotion of Sciences (JSPS) findet der WGK mehrmals jährlich im OAG-Haus in Tokyo statt.

 

Elisabeth Schulz
DAAD Tokyo
Praktikantin
Juli 2015

 

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