WGK Archiv Mathematik

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Zu unserem Wissenschaftlichen Gesprächskreis (WGK) am 20.Mai 2015 tauchten wir ein in die Welt der Mathematik. Viele fühlten sich sogleich an ihre schlimmsten Schulstunden erinnert, doch unser Referent, Lasse Grimmelt, fand Wege, damaligen Frust in staunendes Interesse zu verwandeln.

Herr Grimmelt, Student im Masterstudiengang Mathematik der Universität Göttingen und derzeit als DAAD-Stipendiat für einen einjährigen Aufenthalt an der Waseda-Universität, beschäftigt sich mit analytischer Zahlentheorie. Seinen Vortrag “Wie zählt man etwas Unendliches? Von Primzahlen und Geheimdiensten – Eine Einführung in die Zahlentheorie” begann er anschaulich mit der Grundlage seiner Studien: Logik. Mit deren wichtigstem Handwerkszeug, Axiomen, versuchen Zahlentheoretiker, allgemein bekannte Objekte wie z.B. die natürlichen Zahlen mathematisch zu erklären.

Die Verbindung zwischen theoretischer Mathematik und unserem Alltag gelang Herrn Grimmelt anschließend anhand der vielfältigen Beschäftigungsfelder von Mathematikern außerhalb der Universitäten, zu denen insbesondere Modellierungen im Finanz- und Versicherungswesen gehören. Neben der Unterstützung im Software-Bereich können sie sogar bei Fußball-Fans und deren Vereinen punkten. Denn für die Spieltagsplanung der Bundesliga müssen in sehr aufwändigen Berechnungen Feiertage, Stadionkapazität, Sendetermine sowie weitere Wettkampftermine berücksichtigt und aufeinander abgestimmt werden.

Nach diesem sehr praxisnahen Einstieg leitete Herr Grimmelt über zu seinem Forschungsschwerpunkt, den Primzahlen. Dass es bezüglich deren Verteilung innerhalb der natürlichen Zahlen immer noch offene Fragen gibt, reize ihn besonders. Beim Euklidschen Satz begannen die Köpfe zu rauchen, denn den Beweis, dass es unendlich viele Primzahlen gibt, wollte Euklid durch Widerspruch erbringen. Hier wollten einige bereits verzagen, doch Herr Grimmelt machte uns in einem Nebensatz wieder aufnahmefähig für Neues: Besonders solche zahlentheoretischen Betrachtungen zeigen, dass Mathematik eine Geistes- und keine Naturwissenschaft sei. Denn während in der Physik, Chemie und Biologie Modelle in Abhängigkeit von der uns umgebenden Welt aufgebaut und entsprechend an realen Beobachtungen überprüft werden, sei die theoretische Mathematik einzig eine Wissenschaft des Geistes, die sich der Logik und ihren Methoden verschreibt. Für Gesprächsstoff nach dem Vortrag war gesorgt.

Während der DAAD-Veranstaltung warb Herr Grimmelt außerdem für sein Fach. So verlangt dessen Förderung nicht viel: Recht bescheiden bezüglich der für ihre Forschung erforderlichen Mittel, bräuchten Mathematiker nur die schnellsten Computer für Testberechnungen; keine Labore, keine Laser.
Bodenständig, tiefsinnig und grenzenlos – Dank Herrn Grimmelt wurde das Image der Mathematik an diesem Abend, der traditionell bei Snacks und einem Glas Bier ausklang, ungemein aufpoliert.

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Der WGK
Zum Wissenschaftlichen Gesprächskreis, kurz WGK, finden sich ein Referent und Interessierte zusammen, um das vorgestellte Thema nach einem einleitenden Vortrag zu diskutieren. Der WGK bietet die Gelegenheit, das eigene Forschungsthema in einem kleinen Kreis in lockerer Atmosphäre vorzustellen. Als eine Kooperationsveranstaltung vom DAAD und der Japanese Society for Promotion of Sciences (JSPS) findet der WGK mehrmals jährlich im OAG-Haus in Tokyo statt.

Elisabeth Schulz
DAAD Tokyo
Praktikantin
Juni 2015

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