SP- Exkursion nach Kyushu 2009

Unser erstes Ziel am Morgen des 13. Mai war ein Werksgelände des Autoherstellers Nissan. Wir konnten dabei das Innere einer Produktionshalle besichtigen. Der vollständige Fertigungsprozess eines Personenkraftwagens läuft größtenteils vollautomatisch ab. Die selbsttätig arbeitenden Maschinen zu betrachten war sehr beeindruckend und wirkte teilweise surreal. Die Werksführung vermittelte uns ein gutes Bild von der Arbeitsweise eines modernen japanischen Industrieunternehmens.

Unsere zweite Station an diesem Tag war der Fertighaushersteller Sekisui in Tosu, einem der mit bisher 2 Mio. verkauften Häusern und über 16.000 Angestellten größten Fertighaushersteller Japans. Die Fertighäuser von Sekisui bestehen aus ca. 4x2x2 Metern großen Stahleinheiten, die zunachst in Werkhallen vorgefertigt werden und dann auf der Baustelle über- und aneinandermontiert werden. Auf diese Weise kann das Fertighaus vor Ort innerhalb eines Tages erstellt werden, die Bautätigkeit wird so unabhängig von Wind und Wetter. Es war eindrucksvoll zu sehen, wie aus bloßen Holzbrettern und Stahlträgern eine solche montagefähige Endeinheit inklusive des Mobiliars wie z.B. Bad oder Küche produziert wird, auch wenn das Design nicht immer unseren Geschmack getroffen hat.

Die Übernachtung erfolgte im Ryokan Warakuen in der für ihre Teeproduktion bekannten Stadt Ureshino. Nach einem erfrischenden Bad in dem mit Tee aromatisierten Onsen des Ryokan konnten wir in traditionelle japanische Gewänder gekleidet den ereignisreichen Tag mit einem hervorragenden Abendessen ausklingen lassen.

Am folgenden Tag besuchten wir am Morgen die Töpferei Fukagawa Seiji in Arita. Die Töpferei ist bereits seit vielen Jahren offizieller Lieferant für den japanischen Kaiserpalast, der das Porzellan-Geschirr sowohl für offizielle als auch private Anlässe verwendet. Auch über die Grenzen Japans hinaus konnte sich das Unternehmen einen Namen machen und auf der Pariser Weltausstellung im Jahr 1900 sogar die Gold-Medaille gewinnen. Während der Besichtigung der Produktionshallen durften wir die Arbeiter bei der Bemalung des Porzellans beobachten. Interessanter Aspekt hierbei war, dass die Männer für die Muster-Vorgabe verantwortlich sind und ausschließlich weibliche Arbeiterinnen die detaillierten Ausmalarbeiten übernehmen. Welch ruhige Hand für ein derartiges Handwerk tatsächlich gebraucht wird, konnten wir durch das selbstständige Bemalen von Porzellan-Tellern erfahren, die uns Fukagawa Seiji nach dem Brennen als Andenken nach Tokyo schickte.

Nach einem Mittagessen in dem zur Töpferei gehörigen Restaurant Kurintou ging es bei traumhaftem Wetter weiter in Richtung Küste zur Werft Namura, die vor allem für die Produktion von Tankern bekannt ist. Die Werft verfügt über mehrere Docks und die gesamte Anlage ist derartig weitläufig, dass eine umfassende Besichtigung nur per Bus möglich ist. Dabei konnten wir vom gut aufgelegten Namura-Repräsentanten unter anderem erfahren, wie eine von Namura entwickelte Finne die Manövrierfähigkeit der großen Tanker verbessert. Weiter wurde uns die enorme Größe eines solchen Tankers so richtig bewusst, nachdem wir die Schiffe aus nächster Nähe in den Trockendocks sehen konnten. Diese Firmenbesichtigung gehörte mit Sicherheit zu den beeindruckendsten Erlebnissen unserer Kyushu-Exkursion.

Vor der Weiterreise nach Fukuoka konnten wir noch von einem Aussichtspunkt in Kagamiyama die Szenerie des 360 Jahre alten Kiefernwaldes “Niji no Matsubara” genießen, der sich an einem Bogen entlang der Karatsu-Bucht erstreckt.

Den Freitag begannen wir mit der Besichtigung des Kitakyushu Eco-Town Projektes. Die Stadt Kitakyushu, eines der vier wichtigsten industriellen Zentren Japans, musste lange mit der einhergehenden Umweltverschmutzung kämpfen. Eines der daraus hervorgegangenen Vorzeigeprojekte ist das Eco-Town Projekt, eine staatlich unterstützte Agglomeration von Recyclingfirmen und Forschungseinrichtungen. Zur besseren Anschaulichkeit wurde nicht nur die Verwaltungszentrale besichtigt, sondern auch zwei Firmen, in denen wir mit eigenen Augen das japanische Müllverwertungssystem betrachten konnten. Die Firmen Nishi-Nippon PET-Bottle Recylce Co. Ltd. und Japan Recycling Light Technology & System Co. Ltd. verwerten PET-Flaschen bzw. Neonröhren.
Als nächstes besichtigten wir den zweitgrößten Stahlhersteller der Welt – Nippon Steel, ebenfalls in Kitakyushu. Hier werden unter anderem die Schienen für den japanischen Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen und das bei Nissan zur Autoherstellung benötigte Stahlblech produziert. Das Werk war aufgrund der Wirtschaftskrise teilweise außer Betrieb, wir hatten aber trotzdem die Möglichkeit zu sehen wie das Stahlblech gewalzt wird und konnten in einer Busfahrt über das Werksgelände die unglaublichen Dimensionen dieses Stahlwerkes erfahren.
Die letzte Station des Tages war die Firma Shabondama Sekken, ein Hersteller von umweltfreundlicher Seife. Wir erhielten vom Präsidenten persönlich eine ausführliche und sehr anschauliche Erklärung zur Geschichte seiner Firma und den Vorteilen von Seife im Gegensatz zu chemischen Tensiden.
Am letzten Reisetag besichtigten wir als krönenden Abschluss das Hakataningyo-Atelier Takeyoshi. Herr Takeyoshi fertigt in liebevoller Handarbeit wundervolle Tonfiguren, die sowohl durch die Lebendigkeit ihres Gesichtsausdruckes als auch durch die kunstvolle Bemalung bestechen. Er nahm sich viel Zeit uns die einzelnen Herstellungsschritte von der Fertigung des Originals über die Form bis hin zur fertigen Figur und ihrer Bemalung zu zeigen.

Unser Dank gilt dem DAAD und insbesondere Frau Takeda, die uns diese lehrreiche Reise mit Ihren vielfältigen Einblicken in die japanische Wirtschaft und Kultur ermöglicht haben.

Der 25. Jahrgang des “Sprache und Praxis in Japan” Programms

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