Der deutsch-japanische Austausch

Der deutsch-japanische akademische Austausch

In den akademischen Beziehungen zwischen Deutschland und Japan haben DAAD-Stipendiaten stets eine wichtige Rolle gespielt. Bis zum Ausbruch des zweiten Weltkriegs hatte der DAAD bereits 18 deutsche Stipendiaten in Japan gefördert und 36 Japaner. Der erste japanische DAAD-Stipendiat war der im Mai 1999 verstorbene Maler Kaii Higashiyama.

Vorlesung ("Bilderpool Studieren, Forschen und Leben in Deutschland")Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) ist die weltweit größte Förderorganisation für den internationalen Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern. Seit seiner Gründung im Jahr 1925 hat der DAAD fast 1,5 Millionen Akademiker im In- und Ausland unterstützt (am Ende dieser Seite finden Sie jeweils die aktuellste Länderstatistik für Japan). Er wird als Verein von den deutschen Hochschulen und Studierendenschaften getragen.

1950 wurde der DAAD neu gegründet, und bereits 1952 traf die erste Gruppe japanischer DAAD-Jahresstipendiaten in Deutschland ein. Unter ihnen war der Mediziner Professor Hisashi Yoshida, später Gründungspräsident der Vereinigung der Freunde des DAAD in Japan (DAAD Tomo no Kai).

Bis in die späten sechziger Jahre war es Nachwuchsakademikern beider Länder aus Kostengründen fast nur mit einem Stipendium möglich, in Deutschland oder Japan zu studieren, so dass die Zahl der Japaner an deutschen Hochschulen und erst recht die der Deutschen in Japan niedrig blieb. Seit Beginn der siebziger Jahre stieg die Zahl der japanischen Studierenden jedoch rasch. Heute studieren an deutschen Hochschulen etwa 2.060 Japaner.  Davon sind 46 Prozent in den Geistes- und Sozialwissenschaften, 37 Prozent in Musik und Kunst und 16 Prozent in den Natur- und Ingenieurwissenschaften eingeschrieben. Die DAAD-Stipendien für Japaner und Japanerinnen haben den Charakter einer Auszeichnung für besondere Leistungen. Für das Hochschuljahr 2015/16 erhielten 14 von 78 Bewerbern ein Graduiertenstipendium. Das Stipendium kann entweder für ein ganzes Promotionsstudium in Deutschland, für Forschungsaufenthalte ohne Abschluss oder für ein komplettes Masterstudium in Deutschland genutzt werden.

An Hochschulen in Japan studierten im Jahr 2013 599 Deutsche. Diese Zahl erhöht sich noch, wenn man die Deutschen hinzunimmt, die an Sprachschulen eingeschrieben sind, Praktika ableisten und an Universität Tokyo, Komaba Campus (Quelle: tyuukyuueigo, Forschungsinstituten arbeiten. Bei den Deutschen spielen wegen der hohen Lebenshaltungskosten und Studiengebühren in Japan Stipendien nach wie vor eine entscheidende Rolle. Der DAAD förderte im Jahr 2014 319 japanische Studierende, Forscher, Dozenten sowie Projekte in Deutschland und unterstützte ebenso 741 Deutsche bei ihrem Aufenthalt in Japan.

Die DAAD-Außenstelle Tokyo besteht seit 1978. Schwerpunkt ihrer Arbeit wird immer mehr die Erteilung von Informationen – an Japaner über den Hochschul- und Forschungsstandort Deutschland, aber auch an deutsche Institutionen und Einzelpersonen über den japanischen akademisch-wissenschaftlichen Bereich.

Besonders hervorzuheben ist das 1984 vom DAAD ins Leben gerufene Programm “Sprache und Praxis in Japan”. Es wendet sich an deutsche Graduierte mit einem sehr guten Abschluss in Rechts-, Wirtschaftswissenschaften, Natur- oder Ingenieurwissenschaften. Die Stipendien umfassen einen Einführungskurs am Landesspracheninstitut in der Ruhr-Universität Bochum (LSI), einen fast zehnmonatigen Sprachunterricht an der Naganuma-Schule in Tokyo und im Anschluss daran ein achtmonatiges Praktikum in einem Unternehmen in Japan. Pro Jahr werden 10 Stipendien vergeben. Die Mehrheit der mittlerweile 373 Absolventen dieses Programms nehmen inzwischen wichtige Positionen in japanischen, deutschen oder europäischen Firmen ein.

Das Interesse an einem Praktikum in Japan nimmt unter deutschen Studierenden zu: Unter Mitwirkung des DAAD haben Studierende der Universität Duisburg eine “Koordinationsstelle für Praktika” (KOPRA) ins Leben gerufen, die über das Internet zu Praktikumsstellen verhilft.

Intensive Kontakte pflegt die Außenstelle zu den Vertretern deutschlandbezogener Studiengänge an japanischen Universitäten ebenso wie zu den germanistischen Vereinigungen. Außerdem werden etwa 250 deutsche bzw. deutschsprachige Hochschullehrer in Japan durch regelmäßige Informations- und Fachveranstaltungen sowie die Versorgung mit Materialien betreut. Im Jahr 2008 initiierte die Außenstelle das landesweite “Beraternetz des DAAD”, dem sich derzeit 30 besonders engagierte Hochschullehrende angeschlossen haben.

10 Jahre DESK, Botschafter Dr. Stanzel zu GastDiese Berater und Beraterinnen werden von der Außenstelle Tokyo über aktuelle Entwicklungen an deutschen Hochschulen und über Programmausschreibungen informiert sowie bei Informationsveranstaltungen und Netzwerkveranstaltungen aktiv unterstützt. Zahlen der HRK (2015) zufolge sind 133 deutsche und 208 japanische Hochschulen und Institute an insgesamt 620 Kooperationen beteiligt. Der DAAD fördert derzeit 15 deutsch-japanische Hochschulpartnerschaften, vier davon in einer trilateralen akademischen Kooperation zwischen Deutschland, Japan und der Republik Korea. Seit Oktober 2000 fördert der DAAD auf dem Komaba-Campus der Universität Tokyo mit dem  Zentrum für Deutschland- und Europastudien in Komaba (DESK) ein spezielles deutschlandbezogenes Lehr- und Forschungsprogramm. Die Universität Tokyo arbeitet in diesem Rahmen besonders mit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zusammen.

Länderstatistik 2014 Japan

Stand: April 2015

A Individualförderung

Geförderte aus Japan

Geförderte aus Deutschland

1. nach Status

grundständig Studierende

44

48

Studierende mit einem ersten Abschluss (Graduierte)

59

160

davon Doktoranden

34

79

Wissenschaftler und Hochschullehrer (inkl. Postdoktoranden)

10

103

2. nach Förderdauer

unter 1 Monat

30

149

1-6 Monate

20

46

über 6 Monate (Langzeitförderung)

63

116

3. Auswahl wichtiger Programme

DAAD-Jahresstipendien für Forschung und Studium

58

50

Stipendien im Rahmen von Kooperationsprogrammen

3

26

Sur-Place und Drittlandstipendien

Lektoren

1

Langzeitdozenten, Gastdozenten, Lehrstühle

2

Kongress- und Vortragsreisen

143

Fach- und Sprachkurse

33

Praktikanten

13

38

Forschungsaufenthalte von Hochschullehrern

4

3

Summe der Individualgeförderten

113

311

B Projektförderung

Geförderte aus Japan

Geförderte aus Deutschland

1. nach Status

grundständig Studierende

86

230

Studierende mit einem ersten Abschluss (Graduierte)

88

157

davon Doktoranden

26

35

Wissenschaftler und Hochschullehrer (inkl. Postdoktoranden)

32

43

2. nach Förderdauer

unter 1 Monat

112

84

1-6 Monate

75

298

über 6 Monate (Langzeitförderung)

19

48

3. Auswahl wichtiger Programme

PROMOS – Programm zur Steigerung der Mobilität

222

Strukturprogramme für das Auslandsstudium

7

119

Stipendien- und Betreuungsprogramme (STIBET)

89

Programme d. Projektbez. Personenaustauschs (PPP)

24

Summe der Geförderten im Projektbereich

206

430

Summe der DAAD-Geförderten

319

741

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