17.12.2017

SP-Exkursion – Japanische Traditionsbetriebe in Niigata

Die Stipendiatinnen und Stipendiaten des 34. Jahrgangs unseres Programms „Sprache und Praxis in Japan“ unternahmen vom 30.11. – 1.12.2017 eine zweitägige Exkursion in die Präfektur Niigata. Teilnehmer Maximilian Rayß berichtet von der Reise, auf der die Stipendiaten Einblicke in Japans reiche Tradition und hochmoderne Technik gewinnen konnten. Besichtigt wurden sowohl kleine, traditionsreiche Familienbetriebe als auch ein international agierendes Unternehmen.

 

Unsere erste Exkursion startete am Donnerstagmorgen am Tokyo Hauptbahnhof, von wo aus uns der mit bekannter Präzision abfahrende Shinkansen nach Tsubamesanjō, Niigata brachte. Dort erwartete uns ein gemieteter Bus, der uns während der gesamten Reise zu den einzelnen Besichtigungszielen beförderte.

Einen ersten Einblick erhielten wir bei Kondo Seisakusho – einem kleinen Familienunternehmen, welches seit über 100 Jahren traditionelle Feldhacken herstellt. Der Inhaber, Herr Kondo, erklärte uns die Produktpalette, die einzelnen Produktionsschritte und die Feinheiten seiner Metallverarbeitung. Zu unserem Erstaunen werden bei Kondo Seisakusho schier unzählige verschiedene Formen von Feldhacken hergestellt, was laut Herrn Kondo auf die unterschiedliche Kundenpräferenz aus den einzelnen Regionen Japans zurückzuführen ist.

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Nach einer kurzen Stärkung im Soba-Restaurant bewunderten wir am Nachmittag bei Asano Tansu die Herstellung und Restauration von traditionellen Kommoden (Tansu), Betten und Stühlen aus feuerfestem, wasserbeständigen und sehr leichtem Paulownia-Holz. Die von Hand gefertigten Kommoden beeindruckten uns vor allem durch die unglaubliche Herstellungspräzision,  welche die gerühmte japanische Handwerkskunst bestens verdeutlichte. Zudem überraschten uns raffinierte Geheimverstecke innerhalb des Mobiliars, die an vergangene Agentenfilme erinnerten.

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Zu guter Letzt ließen wir den ereignisreichen Tag in Gosen-shi in einem traditionellen Ryokan mit Onsen entspannt ausklingen. Das überwältigende, mehrgängige Abendessen mit allerlei für uns neuen kulinarischen Finessen ließ keine Wünsche offen.

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Am zweiten Tag besuchten wir den Kimonostoffhersteller Yokosho in Gosen-shi. Dort wurden uns die einzelnen Abläufe der Seidenweberei erläutert, die bis heute großenteils in Handarbeit realisiert werden. Erstaunlich dabei ist, wie viele Produktionsschritte notwendig sind, bevor der Rohstoff tatsächlich an den Webmaschinen verarbeitet wird.

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Im Freilichtmuseum Hoppo Bunka Hakubutsukan – einem alten Bauernhaus aus der Edo-Zeit – hatten wir nach dem Mittagessen Gelegenheit, die Anlage zu besichtigen, in der die Lebensweise dieser Epoche rekonstruiert ist.

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Als Kontrast dazu führte uns unsere letzte Station in die modernen Werkshallen der Hokuetsu Kishu Papierfabrik in Niigata, deren Mitarbeiter uns mit einem durchorganisierten Rundgang erwarteten. Die fünftgrößte Papierfabrik Japans mit einer täglichen Papierproduktion von 9.000 Tonnen faszinierte uns durch ihre Dimension und die durchdachten logistischen Abläufe.

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Mit allerhand abwechslungsreichen Eindrücken endete unser erster Ausflug am Freitagnachmittag am Niigata Hauptbahnhof.

 

Text: Maximilian Rayß
Fotos: Ingo Stieglitz
(Stipendiaten “Sprache & Praxis in Japan” 2017-2019)

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