28.04.2017

Märchenhafter Abend mit „Butterbrot und Bier“

Zu unserem Frühlingstreffen mit „Butterbrot und Bier“ am 21. April kamen 200 Gäste, darunter neue Stipendiaten, Alumni und Freunde des DAAD, ins Deutsche Kulturzentrum. Diesmal stand die Veranstaltung unter dem prägnanten Titel „Grimm“ – doch so kurz die Überschrift, so vielfältig war das von DAAD-Alumni gestaltete Programm: Der renommierte Grimm-Forscher Prof. Takashi Hashimoto hielt einen Vortrag zu den Göttinger Sieben, Opernsängerin Hibi Keiko sang aus Humperdincks Oper „Hänsel und Gretel“ und die Künstler Benjamin Fitzenreiter und Alexander Draude stellten eigens für diese Veranstaltung entworfene Bilder aus, in denen sich deutsche und japanische Märchenwelten trafen.

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Die neue Außenstellenleiterin des DAAD Tokyo, Frau Dorothea Mahnke, eröffnete die Veranstaltung und betonte, dass für sie mit ihrem neuen Dienstort ein Herzenswunsch in Erfüllung gehe. Frau Mahnke sagte, sie selbst habe bereits als Kind Japan lieben gelernt: Über die Karten einer japanischen Brieffreundin, die mit ihren liebevollen Verzierungen und majestätischen Berglandschaften einen tiefen Eindruck hinterließen. Zudem übermittelte sie den zahlreichen Gästen, darunter auch vielen langjährigen Freunden des DAAD in Japan, Grüße von den ehemaligen Außenstellenleiterinnen und -leitern, deren Nachfolge sie zum 1. März angetreten hat. Herrn Wieland Eins, der den DAAD Tokyo von September 2016 bis Ende Februar 2017 kommissarisch leitete, sprach Frau Mahnke herzlichen Dank aus.

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Anschließend sprach Herr Prof. Hashimoto von der Utsunomiya-Universität, einen der führenden Grimm-Forscher Japans und Träger zahlreicher Auszeichnungen, darunter auch des Ordens des heiligen Schatzes und eines Bundesverdienstkreuzes. Die grimmschen Märchen gehören laut Hashimoto in Deutschland wie in Japan zu den meistgelesenen Werken überhaupt – denn wer, so Hashimoto, kenne nicht bekannte Referenzen wie: „Knusper, Knusper, Knäuschen, wer knuspert an meinem Häuschen“? Er selbst habe eine Ausgabe seiner eigenen Übersetzung von Grimms Märchen der japanischen Kaiserin Michiko zugesandt. Nach zwei Monaten rief Ihre Majestät bei Prof. Hashimoto persönlich an und entschuldigte sich für die Verspätung, sie habe erst alle 200 Märchen zu Ende lesen wollen. Daraufhin besuchte die Kaiserin Herrn Hashimotos Bethel-Ausstellung.

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Nach dieser Anekdote sprach Hashimoto über das Leben der Gebrüder Grimm, die sich im frühen 19. Jahrhundert der Aufgabe verschrieben, Geschichten aus dem deutschen Sprachraum zusammenzutragen und schriftlich festzuhalten. Als Teil der Göttinger Sieben waren Jakob und Wilhelm Grimm auch über ihre philologische Arbeit hinaus höchst aktiv. Zusammen mit fünf weiteren Professoren der Universität Göttingen sprachen sie sich gegen die Aufhebung der bestehenden Verfassung durch den konservativen König Ernst August von Hannover im Jahr 1837 aus und wurden deshalb von ihren Ämtern suspendiert. Die Proteste wurden aber auch in der Bevölkerung nach und nach so stark, dass König Ernst August letztendlich nachgab und im Jahr 1848 eine liberale Verfassung erlassen wurde. Prof. Hashimoto schloss seinen Vortrag mit dem Appell, dass sich auch Japan an den Göttinger Sieben ein Beispiel nehmen solle. Er forderte die japanischen Wissenschaftler dazu auf, wachsam politische Prozesse zu beobachten und gegebenenfalls Einspruch zu erheben.

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Der zweite Programmpunkt des Abends bot musikalisch einen vertrauten und doch besonderen Einblick in die bekannte Märchenwelt. Die Sopranistin Prof. Keiko Hibi, ehemalige DAAD-Stipendiatin an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart, mit Begleitung der Pianistin Hisako Hattori (Toho Musikuniversität) trug Auszüge aus der Oper „Hänsel und Gretel“ vor. Vertraute Kinderlieder wie „Suse, liebe Suse, was raschelt im Stroh“ und „Abends will ich schlafen gehen, vierzehn Engel um mich stehen“ wurden von Frau Hibi in der Rolle der Gretel vorgetragen und von kurzen Erzählpassagen, vorgelesen von unserem Praktikanten André Böke, umrahmt. Wie Frau Hibi beklagte, fehlte der Gretel bei ihrem Auftritt aber ein Hänsel. Zur Überraschung des Publikums wurde der zunächst erst widerwillig vom Rednerpult weggezogene Erzähler jedoch zum Bruderersatz und sang die schwierigen Opernstücke souverän mit.

Frau Mahnke klärte später auf, dass Herr Böke selbst in Musicals singe und sogar bei der in Japan bekannten Show „Nodojiman The World“ vom Fernsehsender Nihon Terebi teilgenommen und den zweiten Platz erreicht habe.

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Schließlich stellte die DAAD-Mitarbeiterin Frau Sabine Yokoyama die Kunstwerke zweier ehemaliger DAAD-Stipendiaten vor, die extra zu diesem Anlass angefertigt wurden. Herr Benjamin Fitzenreiter hatte ein „Grimmelbild“ zum Thema „GeGeGe no Kitaro trifft Rotkäppchen“ entworfen, in dem viele Figuren der Grimmschen Märchen in einem friedlichen Wettkampf zusammen mit Wesen aus der japanischen Folklore, den Yokai, zu sehen sind.

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Herr Alexander Draude steuerte ein Diptychon zum Märchen „Vom Fischer und seiner Frau“ bei. In seinem Werk versetzte er das Märchen in ein asiatisches Umfeld. Deutlich konnte man dabei die Nähe seines Kunstwerks zum japanischen ukiyo-e-Stil erkennen. Die beiden Bilder waren als Drucke im Foyer ausgestellt und viele Besucher betrachteten die detailreichen Zeichnungen anschließend beim traditionellen Buffet mit „Butterbrot und Bier“.

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Unter den zahlreichen Gästen wurden viele neue Kontakte geknüpft, Neu-Stipendiaten sprachen mit Alumni, junge Austausch-Studenten aus Deutschland mit gestandenen Wissenschaftlern an japanischen Universitäten. Zum krönenden Abschluss gab es eine weitere musikalische Kostprobe von Herrn Böke, der den Titelsong eines „moderneren“ Märchens – des Disneyfilms „Die Eiskönigin – Völlig unverfroren“ – auf Japanisch vortrug und den gelungenen Abend unter begeistertem Applaus beschloss.

 

Bericht: André Böke, Juliane Schedler

Fotos: Tanja Weyhe

Redaktion: Laura Blecken

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