26.08.2016

Deutsche Forschungsstipendiaten in Japan (JSPS Summer Program 2016)

Am 23. August 2016 fand die Abschlussveranstaltung des prominenten Summer Program 2016 der Japan Society for the Promotion of Science (JSPS) statt. Die über 100 Forschungsstipendiatinnen und Stipendiaten aus sechs Ländern kamen dafür im Hotel Grand Palace in Tokyo zusammen, wo sie ihre Teilnahmezertifikate in Empfang nahmen und ausgewählte Forschungsergebnisse präsentiert wurden.

Bei dem JSPS-Programm können hochqualifizierte Graduierte, Doktoranden und Postdoktoranden aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Schweden, Nord-Amerika und Kanada einen Einblick in Japans Wissenschaftslandschaft erhalten. Sie haben während eines zweimonatigen Aufenthaltes von Mitte Juni bis Mitte August die Möglichkeit in führenden japanischen Forschungsteams und Institutionen zu arbeiten und ihre Projekte weiterzuentwickeln (Zum Programm).

 

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Vor der offiziellen Abschlussfeier trafen sich die deutschen Stipendiatinnen und Stipendiaten auf Einladung der DAAD Außenstelle Tokio zum Erfahrungsaustausch bei einem gemeinsamen Mittagessen. Die 12 Stipendiaten kamen wie immer aus verschiedenen Fachbereichen und die Themenpalette ihrer Projekte war auch in diesem Jahr beeindruckend.

So forschte zum Beispiel die Biologie-Doktorandin Petra Redekop von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf in Japan am National Institute for Basic Biology in Okazaki. Während ihres zweimonatigen Aufenthaltes ist es ihr gelungen, das Protein PsbS in der grünen Alge Chlamydomonas reinardtii zu lokalisieren. Frau Redekop hatte während ihres Aufenthaltes auch die Möglichkeit, über den Stand ihrer Forschung auf einer internationalen Konferenz in Kyoto zu berichten.

Felix Jawinski hingegen, der an der Universität Leipzig in Japanstudien promoviert, führte während seines Aufenthaltes an der Hosei Universität teilweise erschütternde Interviews mit Mitarbeitern des Kernkraftwerks Fukushima I durch. Ruth Effinowicz, Jura-Doktorandin der Universität Köln beschäftigte sich mit Kriegseinsätzen im Ausland – ein Thema, das gerade in Japan aufgrund der aktuellen Diskussion um die Änderung des „Friedensartikels“ (§9) der japanischen Verfassung eine hohe Brisanz hat. Justin Schieven, Doktorand in Organischer Chemie an der Technischen Universität Dortmund, arbeitete in einem Labor an der Universität Kyoto mit Gold-katalysierten Reaktionen in mizellaren chemischen Lösungen.

 

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Auch der vielseitige Arbeitsalltag, den die Stipendiaten an ihren Forschungsinstitutionen erlebten, unterschied sich je nach Fach und Institut erheblich. Während einige von ungezwungenen Freizeitaktivitäten mit ihren Kollegen erzählten, begrenzte sich der kollegiale Austausch bei anderen auf die gemeinsamen Kaffeepausen. Bei einigen wurde nach Dienstschluss um 17 Uhr das Büro geschlossen, für andere waren sechs Tage-Wochen oder Laborarbeit bis 3 Uhr morgens keine Ausnahmen. Viele Stipendiatinnen und Stipendiaten betonten die hervorragende technische Ausstattung der japanischen Labore.

Nach dem DAAD-Treffen ging es für die Stipendiaten weiter zur gemeinsamen Abschlussveranstaltung mit den JSPS-Stipendiaten aus anderen Ländern. Dr. Yasuhiro Iye, Vizepräsident und Generaldirektor von JSPS begrüßte das internationale Publikum ebenso wie Dr. Yasunobu Okada, Präsident der betreuenden Sokendai Universität und Dr. Mutsumi Komatsu, zuständiger Assistenzprofessor an der Sokendai Universität. Herr Okada betonte, dass das Programm für die Teilnehmer ein Karriere-Sprungbrett darstelle. Dadurch seien sie dem Ziel, eines Tages zu den Spitzenwissenschaftlern weltweit  zu gehören, einen Schritt nähergekommen.

 

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Anschließend präsentierten sieben Stipendiaten als Vertreter der jeweiligen Länder in 15-minütigen Vorträgen ihre Forschungsergebnisse. Für die deutschen Stipendiaten sprach Petra Redekop, deren Ergebnisse exemplarisch für die Möglichkeiten der bilateralen Zusammenarbeit im Rahmen dieses Programmes stehen. So nutzte die Stipendiatin für ihre Forschung die hervorragende Ausstattung und das Fachwissen der Kollegen an dem National Institute for Basic Biology in Okazaki – steuerte aber selbst einen in Deutschland entwickelten Antikörper bei, mit dessen Hilfe die Lokalisierung des Proteins dem gesamten Team schließlich gelang.

 

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Die lebhaften Diskussionen – interdisziplinär und interkulturell – wurden nach einem gemeinsamen kanpai am Buffet weitergeführt. Für die meisten der Stipendiaten bedeutet der Programmabschluss auch das Ende ihres diesmaligen Japanaufenthaltes – auf den hoffentlich noch viele weitere folgen!

 

Text und Fotos: Julia Streubel (Praktikantin des DAAD Tokyo)

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