27.07.2016

Frauen an der Nachrichtenfront – Wissenschaftlicher Gesprächskreis

Am Dienstag, den 19. Juli, fand im Deutschen Kulturzentrum wieder ein ‚Wissenschaftlicher Gesprächskreis‘ (WGK) statt, den der DAAD Tokyo unter der Schirmherrschaft der Deutschen Botschaft in Japan, mit der „Japan Society for the Promotion of Science“ (JSPS), der Universität Tokyo und der Deutschen Gesellschaft der JSPS-Stipendiaten organisierte. Als Referentin kam an diesem Abend Frau Prof. Dr. Elisabeth Bronfen von der Universität Zürich, Spezialistin im Bereich der Anglo-Amerikanischen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts. Unter dem kuriosen Titel „Eine Amerikanerin in Hitlers Badewanne: Journalistinnen berichten vom Zweiten Weltkrieg“ referierte sie über drei der berühmtesten Kriegsberichterstatterinnen der damaligen Zeit: Lee Miller, Martha Gellhorn und Margaret Bourke-White.

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Zu Beginn der Veranstaltung begrüßte Dr. Ursula Toyka, die Leiterin der DAAD-Außenstelle Tokyo, die Anwesenden. Sie betonte, dass zu den Kernaufgaben des DAAD auch die Verbreitung der deutschen Sprache und Kultur im Ausland gehört, und wünschte den über 50 Anwesenden viel Vergnügen beim Vortrag einer wissenschaftlich international renommierten Referentin über ein besonderes Thema der Zeitgeschichte.Willkommen

Die Grußworte sprachen Prof. Dr. Kanichiro Omiya vom Seminar für deutsche Sprache und Literatur der Universität Tokyo und der Gesandte Robert von Rimscha, Leiter der Abteilung für Kultur und Kommunikation an der Deutschen Botschaft in Tokyo. Während Prof. Dr. Omiya das titelgebende Foto für die Veranstaltung – die amerikanische Journalistin Lee Miller nach Kriegsende 1945 in Hitlers Badewanne – im Detail analysierte, stellte Robert von Rimscha in seinem Grußwort eine weitere zeitgenössische Journalistin namens Inga Arvad vor. Dramatische und widersprüchliche Lebensläufe wie der ihre, so von Rimscha, seien bezeichnend für die schillernde Rolle mancher in der Kriegs- und  Nachkriegszeit agierender junger Frauen.

In einer prägnanten und zugleich detailreichen Einführung spannte Prof. Dr. Stefan Keppler-Tasaki, ebenfalls vom Seminar für deutsche Sprache und Literatur der Universität Tokyo, mit einer Erzählung vom Kriegsgeschehen, deutschen Exilschriftstellern und Martha Gellhorns Deutschlandreportage den thematischen Bogen zu Prof. Bronfens Vortrag.

Vortrag

Der Zweite Weltkrieg stellte einen Wendepunkt im Bereich des Nachrichtenwesens dar: Erstmals berichteten Frauen als akkreditierte Journalistinnen über das Kriegsgeschehen. Vor allem die  Amerikanerinnen Lee Miller, Martha Gellhorn und Margaret Bourke-White haben sich durch ihre Berichterstattung in dieser Zeit einen Namen gemacht. Prof. Bronfen thematisierte in ihrem spannenden Vortrag nicht nur die Lebensläufe der drei Frauen, sondern auch deren besonderen Blick auf das Zeitgeschehen, der sie von ihren männlichen Kollegen absetzte. Sie veröffentlichten surreale Fotostrecken aus dem zerbombten London, illustierte Kriegsreportagen in Modemagazinen wie der „Vogue“ und kämpften mit grausamen Bildern aus Konzentrationslagern gegen das Vergessen an.

Die drei Journalistinnen wurden selbst zu Berühmtheiten der damaligen Zeit und standen mit ihrer Berichterstattung nicht nur an der Kriegs- sondern auch an der Nachrichtenfront, was nicht zuletzt in Filmen wie Alfred Hitchcocks „Lifeboat“ gewürdigt wurde.

Diskussionsrunde

Die Moderation der anschließenden offenen Diskussionsrunde übernahm Prof. Dr. Keppler-Tasaki. Unter anderem kam die Frage auf, ob in der persönlichen Berichterstattung der Amerikanerinnen ein Vorgänger des New Journalism der 60er und 70er Jahre zu erkennen sei, bei dem die Reporter sich bewusst in ihre Reportagen miteinbeziehen. Prof. Bronfen betonte die strikte Zensur in der damaligen Zeit, die viele Berichte auch in die Nähe von Proganda rückte. Auch wurde auf die heutige Praxis des „Embedded Journalism“, bei der Journalisten innerhalb von Militäreinheiten Kriegsgebiete bereisen, hingewiesen und hinterfragt, inwieweit sich dieser Umstand auf die Berichterstattung auswirke.

Kampai

Abschließend fanden sich alle Teilnehmenden im Foyer des Deutschen Kulturzentrums für einen Umtrunk mit Imbiss ein. Prof. Dr. Heinrich Menkhaus, der Vorsitzende der mitveranstaltenden Deutschen Gesellschaft der JSPS-Alumni, sprach das Kampai, woraufhin der Abend bei angeregtem Austausch zwischen den Teilnehmenden ausklang.Abendessen

Text: Verena van Aalst (Praktikantin des DAAD Tokyo)

Fotos: Laura Blecken (Presse- und Marketingbeauftragte des DAAD Tokyo)

 

 

 

 

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