12.12.2012

Exkursionsbericht der SP29-Stipendiaten

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Der aktuelle Jahrgang 29 des Programms „Sprache und Praxis in Japan“ hat am 29. und 30. November die erste Exkursion unternommen, um japanische Unternehmen und Japan selbst näher kennenzulernen. Dabei ging es in die Präfekturen Toyama und Ishikawa. Die zweitägige Reise führte zu mehreren japanischen Firmen und berühmten Sehenswürdigkeiten der Gegend, wobei die verschiedenen Stationen den Stipendiaten die Besonderheiten der japanischen (Firmen-)Kultur näher brachten. Für die meisten Stipendiaten war bereits die Reise nach Toyama mit dem Shinkansen eine Besonderheit, da der japanische Hochgeschwindigkeitszug auch außerhalb Japans für seine Pünktlichkeit und Bequemlichkeit bekannt ist.

Am ersten Tag standen die Firmen YKK und Kokando auf dem Plan. YKK ist der Weltmarktführer in der Herstellung von Reißverschlüssen mit einem Marktanteil von über 90%. Das Unternehmen hat 200 Standorte in 68 Ländern mit insgesamt 37.000 Angestellten und unterhält auch Produktionsstandorte in Deutschland (Wuppertal und Wenktal). Obwohl die Firmenzentrale in Tokyo liegt, gibt es auch an vielen weiteren Standorten in Japan Produktionsstätten. Eines der größten Werke Japans ist das von den Stipendiaten besuchte in Kurobe in der Präfektur Toyama. Hier werden die drei Grundarten an Reißverschlüssen (engl. metal-, coil- und vislon-zipper) hergestellt. Nach der Begrüßung und einer kurzen Firmenvorstellung ging es mit dem Firmenbus durchs Werk und es konnten alle Produktionsschritte einer typischen Reißverschlussherstellung begutachtet werden. Als Abschluss gab es im Firmenmuseum noch Kaffee aus Kaffeebohnen der unternehmenseigenen Kaffeeplantage in Brasilien.

Anschließend wurde das Unternehmen Kokando besucht, welches sich nicht nur auf traditionelle Arznei spezialisiert hat, sondern auch der Marktführer für Selbstmedikation in Japan ist. Das 1876 in Toyama gegründete Unternehmen beschäftigt heute etwa 650 Angestellte sowie weitere 3.000 Mitarbeiter im Außendienst. Kokando ist bekannt für den Vertrieb von Arznei großer Bandbreite zur Selbstmedikation, die den Kunden zunächst unentgeltlich zur Verfügung gestellt wird. Daraufhin wird der Bestand regelmäßig vor Verfall ausgetauscht bzw. die verbrauchte Medizin in Rechnung gestellt. Dieses ursprünglich für eine schnellere medizinische Versorgung in ländlichen Gebieten entwickelte Vertriebsverfahren für Arznei wird heute nach Unternehmensangaben noch von etwa 5 Mio. japanischen Haushalten genutzt und konnte in seinem Grundprinzip als System auch in die Mongolei exportiert werden. Mit den 2003 und 2010 neu errichteten Produktionsanlagen für Fest- und Flüssigpräparate betreibt Kokando heute neben der Herstellung eigener Präparate zusätzlich On-Demand-Produktion, unter anderem auch für den europäischen Markt.

Die Übernachtung im Ryokan mit japanischen Tatami-Zimmern und Onsen bildete den eindrucksvollen Abschluss des ersten Reisetages. Der Aufenthalt wurde durch ein traditionelles Abendessen im Yukata und japanischem Ambiente abgerundet.

Am nächsten Morgen ging es vom Ryokan aus nach Kanazawa, der Hauptstadt der Präfektur Ishikawa. Kanazawa war vor mehreren Jahrhunderten die reichste Stadt auf den japanischen Inseln. Außerdem blieb Kanazawa für mehrere Jahrhunderte unberührt von größeren Kriegen oder Naturkatastrophen. Daher ist die Stadt immer noch reich an vielfältiger Kultur und Orten mit historischem Charme. Auch heute ist Kanazawa aufgrund seiner modernen Architektur und den zahlreichen historischen sowie zeitgenössischen Museen ein interessantes Ziel für inländische und ausländische Touristen. In Kanazawa wurden nach der Führung durch die Firma Tsudakoma Corp. (s.u.) auch der berühmte Kenroku-en und die nahezu 200 Jahre alte Ochaya Shima besichtigt.

Erste Anlaufstelle in Kanazawa war die Tsudakoma Corp., welche für die Herstellung von Webmaschinen und Werkzeugmaschinenzubehör bekannt ist. Der Umsatz wird jedoch hauptsächlich durch den Webmaschinenverkauf generiert. Die von rund 1.000 Mitarbeitern produzierten Maschinen werden weltweit verkauft. Nach einem freundlichen Empfang und einer kurzen Firmenpräsentation konnten die von Tsudakoma produzierten Webmaschinen in Aktion erlebt werden und die Stipendiaten lernten die Unterschiede zwischen den beiden aktuellen Webverfahren, dem Air-Jet-Loom und dem Water-Jet-Loom, kennen. Eine Besonderheit der Firma Tsudakoma ist, dass alle wichtigen Arbeitsschritte in den drei Werken von Tsudakoma in Japan durchgeführt werden. Vom Gießen der Teile, über die maschinelle Bearbeitung bis hin zur Montage, welche die Stipendiaten zum Abschluss besichtigen durften.

Im Anschluss an die Firmenbesichtigung in Kanazawa wurde die Gelegenheit für einen Spaziergang durch den landesweit bekannten “Kenroku-en” genannten Landschaftsgarten, welcher direkt neben der Burganlage in Kanazawa liegt, genutzt. Zwischen 1620 und 1840 vom mächtigen Maeda-Clan angelegt, zählt der weitläufige, von zahlreichen Teichen, Bächen und Pavillons durchzogene Park zu den “San-tei-en”, den drei berühmtesten japanischen Landschaftsgärten. Der Name “Kenroku-en” bezieht sich auf die sechs Attribute, die ein perfekter Garten besitzen sollte: Weitläufigkeit, Abgeschiedenheit, Kunstfertigkeit, Alter, fließendes Wasser und weite Blicke.

Die Ochaya Shima liegt im historisch weitestgehend erhaltenen Vergnügungsviertel Higashi-Kuruwa in Kanazawa. Der Distrikt ist um 1820 errichtet worden und war für seine luxuriösen Teehäuser bekannt. Die Ochaya Shima ist, bis auf Elektrizität und Wasseranschluss, als einziges Teehaus der Stadt seit seiner Erbauung unverändert geblieben. Daher ist es auch als einziges Gebäude in ganz Japan von der Regierung als wichtiges Kulturgut geschützt worden. Nach einer Führung durch die historischen Besucherräume in der zweiten Etage des Teehauses, wurde die Exkursion in der originalgetreuen Umgebung der Ochaya mit grünem Tee und japanischen Süßigkeiten genossen.

Dank der Stipendiaten:

„Unser Dank gilt dem DAAD und Fr. Takeda für die Auswahl interessanter Firmen, die Besichtigungen und die gute Planung der Reise. Auch danken wir den Unternehmen, die uns einen Einblick in ihr tägliches Geschäft und die Produktionsstätten ermöglicht haben.“

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