21.05.2012

“Publish or Perish”

by Dunkel

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„Wenn man Wissen nicht weitergibt, ist es so, wie wenn man es nicht hat“, lautete ein Zitat in Dr. Christian Schönbachs Vortrag über wissenschaftliche Publikationen. Der Wissenschaftliche Gesprächskreis (WGK) des DAAD Tokyo und der Deutschen Gesellschaft der JSPS-Stipendiaten fand am 14. Mai 2012 unter dem Titel „‘Publish or Perish‘ aus der Sicht eines Autors und Editors“ statt und erörterte den Druck auf Wissenschaftler zu publizieren sowie die Qualität beziehungsweise Quantität der Publikationen.

Über den Druck zur Verbreitung von Wissen

Dr. Schönbach, Biowissenschaftler und Bioinformatiker am Kyushu Institute of Technology und ehemaliger JSPS-Stipendiat, erklärte zuerst die Notwendigkeit für Wissenschaftler zu publizieren. Nicht nur für die Karriere sei dies ein wichtiger Schritt, auch Forschungsmittel und -projekte hingen stark davon ab. Publikationen in Magazinen mit hohem impact factor (Einflussfaktor – dieser reflektiert die durchschnittliche Anzahl an Zitierungen der vom Magazin veröffentlichten Artikel) seien dabei, so Schönbach, besonders wichtig. Gerade hier sei es natürlich schwierig für Wissenschaftler, die Auswahl zu schaffen. Generell liege die Schwierigkeit jedoch auf der anderen Seite, bei dem geringen zeitlichen Rahmen, der den oft auf freiwilliger Basis arbeitenden Editoren und Gutachtern („peer reviewers“) für die Bewertung und Auswahl der Einreichungen zur Verfügung stehe. Durchschnittlich bleibt eine Woche, um zu entscheiden ein Manuskript an Gutachter zu schicken und diese auszuwählen. Oft sind es mehrere Manuskripte, die in dieser Zeit bewertet werden müssen“, gab Schönbach, selbst Editor, zu bedenken.

Grundrecht: Freier Zugang zu wissenschafltichen Veröffentlichungen (Open-Access)

Ebenfalls thematisiert wurde der Vorgang des „Peer Reviews“ sowie Publikationsmodelle und die Rolle von Zeitschriften und Verlagen im wissenschaftlichen Informationsmarkt. Das Internet habe, so der Referent, grundlegend die Kostenstrukturen, die Verbreitungart von Veröffentlichungen und deren Lizenzmodelle verändert. Seit zehn Jahren ermöglichten „Open Access“ oder Publikationen mit freien Lizenzen und weitgehend uneingeschränkten Nutzungsbedingungen den Kostendruck auf die Bibliotheken zu mildern und weltweit den freien Zugang zu wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu erhöhen. Mittlerweile werden nach Zahlen des DOAJ (Digital Directory of Open Access Journals) mehr als 7,600 wissenschaftliche Fachzeitschriften mit Gutachterverfahren im „Open Access“ Model publiziert. Gegen Ende des Vortrags sprach der Referent auch das Thema Publikationsethik an. Unter anderem hat die Digitalisierung des Publizierens zu der Entwicklung von Computerprogrammen und Datenbanken zur schnellen Überprüfung auf Plagiate beigetragen.

Tipps für Autoren

Bei der anschließenden Diskussionsrunde sah Dr. Schönbach die größte Schwierigkeit darin, objektive Qualitäts- und Quantitätsmerkmale für Veröffentlichungen zu finden, da der h-index (ein Faktor, der die Reichweite und den Einfluss der veröffentlichten Arbeit misst) oder der impact factor der Magazine, in denen die Publikationen erschienen sind, oft keine adäquaten Maßstäbe liefern. Trotzdem sprach er sich für das Veröffentlichen als wichtige Wissensweitergabe aus, da das System insgesamt seiner Meinung nach „recht gut“ funktioniere. Sein Tipp für erfolgreiches Publizieren war, unter anderem, klare Gedanken in klare Worte zu verpacken und die Publikationen sorgfältig – also nicht in der letzten Nacht vor der Deadline – zu schreiben. Auch bemerkte er, dass der Umfang, die Kosten und der innovative Wert eines Textes als Hauptfaktoren dafür gelten, ob und wie Forschung veröffentlicht und Wissen verbreitet wird. Im Anschluss an die Diskussionsrunde gab es in den Räumlichkeiten des DAAD die Möglichkeit zu weiteren anregenden Gesprächen.