22.03.2012

Japanische Studenten debattieren auf Deutsch: Erfolgserlebnisse auf dem 31. Interuni-Seminar in Gotemba

by Dunkel

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Knapp hundert Deutschstudierende aus verschiedensten japanischen Universitäten kamen vom 11. bis 15. März zusammen, um gemeinsam das 31. Interuniversitäre Juniorenseminar zu begehen. In Lerngruppen erarbeiten sie Präsentationen zum Thema „Medien und Gesellschaft“ und bekamen dabei nicht nur neue Einblicke in die deutsche Sprache, sondern auch in die deutsche Streitkultur.

Eine Schweigeminute leitete das 31. Interuni-Seminar am 11.März 2012 ein, um der Opfer des Erdbebens von Tohoku zu gedenken. Bis 2011 wurde das Seminar jährlich in Kashi in der Präfektur Fukushima veranstaltet. Aufgrund der Vorkommnisse musste es letztes Frühjahr jedoch frühzeitig abgebrochen werden und wurde in diesem Jahr in den Südwesten Tokyos, nach Gotemba, verlagert. Neben den japanischen Studierenden setzten sich die Teilnehmer aus Lehrbeauftragten, deutschen Praktikanten, Austauschstudenten und drei koreanischen Gästen zusammen, die zur Diskussion eine weitere Perspektive beisteuerten. In insgesamt acht Gruppen, zusammengestellt je nach Niveau der Deutschkenntnisse, befassten sich die Studenten im Zuge des Seminars mit dem Thema „Medien und Gesellschaft“. Zur Diskussion standen die Kontraste zwischen der deutschen und japanischen Medienberichterstattung, die Vor – und Nachteile der Nutzung neuer Medien (Facebook, Twitter, Blogs), die schwierige Balance zwischen Pressefreiheit und Privatsphäre, sowie alltägliche Probleme, wie die Wahl eines passenden Mediums für das Schließen neuer Freundschaften oder für eine Liebeserklärung.

Gemeinsam kreativ denken und arbeiten

Am Studentischen Tag erarbeitete jede Gruppe mit passiver Begleitung durch einen deutschen Studenten oder Praktikanten selbst eine Präsentation über das Seminarthema. In der Diskussionsgruppe ging es um grundsätzliche Fragen wie: „Was macht ein Medium zum Medium?“ oder „Veränderung des Alltags durch das Internet“. Dabei wurden persönliche Erfahrungen und Einschätzungen anderer Generationen, Nationen und Kulturen ausgetauscht. Dazu kam man gemeinsam zu dem Ergebnis, dass die neuen Medien Kommunikation einfacher machen und Kommunikation zugleich global ermöglichen. Andererseits wurde jedoch auch ein Wandel des Freundschaftsbegriffs durch soziale Netzwerke wie Facebook festgestellt, sowie eine größere Notwendigkeit, durch Selbstdisziplinierung im Datendschungel Prioritäten zu setzen.

Bei einem Vortrag von Herrn Pfeiffer zum Thema Medien und Protest stand das Konzept des 社会人(homo politicus) zur Debatte und damit auch die Frage nach der Definition des Gesellschaftsbegriffs. Ausgehend von einer Chronologie von Bürgerbewegungen und der korrespondierenden Rolle der Medien wurde die Debatte um die Atompolitik angeführt, die nach dem GAU in Fukushima vor allem in Deutschland an Brisanz gewann und über Protestbewegung und den Einfluss auf Wahlergebnisse tief greifende Veränderungen in der deutschen Atompolitik verursachte. Im Ergebnis stellte der Redner fest, dass neue Medien den gesellschaftlichen Wandel tendenziell vorantreiben, so geschehen in Deutschland nach Fukushima oder in Nordafrika im arabischen Frühling.

Auch die koreanischen Gäste steuerten einen Vortrag bei, über den Einfluss des Smartphones auf das Sprachenlernen in Korea, wobei sowohl ein starkes Ansteigen der Smartphonenutzung als auch ein verstärkter Einfluss auf das Lernverhalten von Studenten festgestellt wurde. Auf Probleme dieser neuen Lernmethode wurde ebenso eingegangen (Wie lernen?) wie auf die Vorteile (Flexibilität) und potenzielle Verbesserungsmaßnahmen (Lernstrategien).

Den Höhepunkt des Seminars bildete die Abschlussfeier, während der die Studenten die im Rahmen des Seminars verarbeiteten Gruppenpräsentationen sowie einstudierte Musik und Theater, Tanz – und Kendoaufführungen zeigten. Jede Gruppe präsentierte auf verschiedene Art und Weise ein medienverwandtes Thema: von Fotogeschichten über Dialoge bis hin zu Power Point-unterstützen Theaterstücken.

Über komplexe Themen zu debattieren ist nicht einfach. Dies in einer Fremdsprache zu tun, ist eine Herausforderung. Dafür verdienen alle Teilnehmer Respekt und Anerkennung.Wir freuen uns auf das Wiedersehen im nächsten Jahr.