22.03.2012

Zwischen Elektromobilität und Photovoltaik im Weltraum – Der DAAD-Alumni-Kreis lädt zum Gespräch

by Dunkel

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Der Kreis der Freunde des DAAD Tomo no Kai lud am 16. März zu seinem jährlichen Diskussionsforum für junge Wissenschaftler nach Hachioji ein. Nach Absage des Forums im letzten Jahr stand in einer Veranstaltung im Dezember 2011 das Thema Fukushima und die Aufarbeitung der Katastrophe im Mittelpunkt. Die aktuelle Themenstellung richtete sich nun auf die Zukunft. Denn nach dem KKW-Unfall rückt die Frage nach Umwelt- und Energiepolitik ins Zentrum.


Kern des dreitägigen Seminars waren die beiden Gastvorträge am Samstag, dem 17. März 2012, die sich auf ganz unterschiedliche Weise mit dem Thema „Umwelt“ auseinandersetzten. Japan und Deutschland hätten aus betriebswirtschaftlicher Sicht eine große Gemeinsamkeit, so Dr. Kentaro Azuma von der Ritsumeikan Universität in Kyoto. In seiner Präsentation hob er die Chancen der Zusammenarbeit zwischen deutscher und japanischer Automobilindustrie im Bereich der Elektromobilität hervor. Ziel müsse die effektivere gemeinsame Forschung sein. Vor allem die am Umweltzusammenhang orientierte Perspektive aktueller deutscher Projekte könne übernommen werden, um eine rein fahrzeugbetonte Forschung zu ergänzen.


Dr. Christian Schäfer hingegen forscht derzeit bei Mitsuboshi Diamond Industrial Co., Ltd. Sein Fachgebiet ist die Nutzung von Photovoltaikanlagen im Weltraum. Auch hier liege großes Potential zur umweltfreundlichen Energiegewinnung, wie er den Teilnehmern trotz Komplexität des Themas anschaulich vermitteln konnte. Fossile Brennstoffe gingen zur Neige und die bisher genutzten „sauberen“ Energieformen durch Wind, Wasser und Sonneneinstrahlung sind in ihrer Betriebszeit beschränkt. Anlagen im All hingegen könnten die Sonnenenergie direkt aufnehmen, ohne Abschwächung durch die Atmosphäre und 24 Stunden am Tag. Auch politisch eröffneten sich hier neue Möglichkeiten, da die Abhängigkeit von Öl und Gas fördernden Staaten zurückgefahren werden könne.


Die Präsentationen regten zur Nachfrage an und wurden auch bei der anschließenden Podiumsdiskussion und den Diskussionen in Kleingruppen erneut aufgegriffen. Hier ging es vornehmlich um einen praktischen Einbau des Gehörten in den größeren Zusammenhang, um eigene Meinungen und Austausch.


Abwechslungsreiche Diskussion auf Deutsch und Japanisch


Ein vorangestellter Vergleich zwischen japanischer und deutscher Atompolitik bildete den Anfang. Beispiele veranschaulichten die unterschiedlichen Einstellungen. So erklärte Herr Oda, Berater des Tomo no Kai, dass in Deutschland die Industrienorm vornehmlich auf Sicherheit ausgelegt sei, während es bei der JIS (Japan Industrial Standard) hauptsächlich um Qualität ginge. Dies vereinfachte erste Einsichten in das politische Verhalten beider Länder.


Dank der bunten Mischung aus deutschen und japanischen DAAD-Alumni sowie jenen, die in diesem Jahr ein Studium in Deutschland aufnehmen werden, waren sowohl verschiedene Länderperspektiven als auch verschiedene Fachgebiete vertreten.
Doktoranden der klassischen Musik stellten ebenso wie Physiker und Architekten Überlegungen an, in welche Techniken der Energiegewinnung und neue Ideen in Zukunft investiert werden sollte.


Das Forum, angelegt zum Informationsaustausch, lud zum Einblick in die jeweils andere Kultur ein. So kamen ebenfalls die Überlegungen zur Kooperation der beiden Länder in Umweltfragen nicht zu kurz. Auch sprachlich wurde die Balance gehalten: Deutsche Teilnehmer äußerten sich auf Japanisch und die japanischen Teilnehmer auf Deutsch. Dazu haben die Gäste auch die Gelegenheit, in der fremden Sprache über ihr Thema zu schreiben. Die dreisprachige Broschüre zum Forum wird am Ende des Sommers in Deutsch, Englisch und Japanisch erscheinen.


Internationaler Austausch und persönliche Kontakte


Herr Yoichi Mizuno von der Hiroshima Universität gab im Folgenden praktische Hinweise für den Alltag im Gastland. Er berichtete von seinem Aufenthalt an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, Problemen bei der Wohnungssuche und der freundlichen Aufnahme durch die deutschen Kollegen.


Dieses Rahmenprogramm und die Selbstvorstellung aller Teilnehmer zu Beginn erleichterten den zukünftigen Stipendiaten im Anschluss den Einstieg in ein freies Gespräch. Dabei fiel besonders auf wie präsent die Katastrophe von Fukushima noch immer in der Bevölkerung ist und in den Reihen der Studenten zu einer Neueinschätzung der Energiepolitik geführt hat. So wurden beispielsweise anhand des Gebrauchs von Klimaanlagen im Sommer und von Wärmedämmungen im Winter unterschiedliche Möglichkeiten des Stromsparens diskutiert.


Dr. Holger Finken, Leiter der DAAD-Außenstelle Tokyo, schloss am Sonntag die Veranstaltung mit der Feststellung, dass die Gruppe diesmal beste Voraussetzungen mitgebracht habe, sich quer durch verschiedene Interessensgebiete und Disziplinen auszutauschen. Die Umsetzung ist dementsprechend gelungen. Der DAAD Tomo no Kai sieht der zukünftigen Fortsetzung des interkulturellen Dialogs mit japanischen Studenten und jungen Deutschlernenden optimistisch entgegen.


Links


Website des Tomo no Kai 友の会


Website des Japanisch-Deutschen Forums