29.05.2010

Sprache und Praxis in Japan, Jahrgang 26, 2009-2010: Exkursion nach Kyushu 25.-29. Mai 2010

Dienstag,  25. Mai 2010

Die Exkursion des DAAD-Stipendienprogramms “Sprache und Praxis in Japan“, Jahrgang 26, begann mit einem Flug vom Tokioter Flughafen Haneda nach Oita auf der japanischen Südinsel Kyushu. Dort angekommen fuhren wir sofort weiter zur ersten Station unserer Exkursion, zu Nippon Texas Instruments. Hier konnten wir nach einer amüsanten, mit einem kleinen Quiz angereicherten Einführung die Produktionsstraße von Siliziumscheiben besichtigen. Zwei von uns durften sogar mit Spezialanzügen durch die Reinraumschleuse (einer Luftdusche) in den „cleanroom”.

Mittwoch, 26. Mai 2010

Die zweite Station unserer Exkursion führte uns zu Nissan Motor (Kyushu Plant). Unter professioneller Führung ging es dsc_3961001durch die Fabrikationshallen, wo wir von sehr beeindruckenden, fast vollständig automatisierten Produktionsabschnitten bis hin zu den Abschlussbremstests vor Ort fast alles zu sehen bekamen, was die Autoherstellung ausmacht. Danach folgte eine Besichtigung des Showrooms, der durch die Anwesenheit mehrerer japanischer Schulklassen zusätzlich mit Leben und Spaß erfüllt wurde und dem wir uns nicht ganz entziehen konnten. Es folgte eine Vorstellung des Unternehmens und des besuchten Werks, bevor abschließend unsere vielen Fragen beantwortet wurden.

Nach dem Mittagessen ging es weiter zum Fertighaushersteller „Sekisuiheim“. Mit einem Film wurden uns sowohl die Besonderheiten der hier hergestellten Fertighäuser als auch ihre wesentlichen Produktionsabschnitte erläutert. Das Besondere der Häuser ist eine Art „Baukastenprinzip”, mit dessen Hilfe 80% des Hauses in der Fabrik fertiggestellt werden können. Dadurch kann man mit dem Haus sogar umziehen. Zugleich zeichnen sich die so hergestellten Häuser durch extreme Erdbebensicherheit aus. Anschließend ging es durch die zuvor im Film gesehen Werkshallen und Show-Räume. Mit Stolz wurden wir auch auf die ökologischen Errungenschaften von Sekisuiheim hingewiesen, insbesondere auf die in die Häuser integrierten Solaranlagen. Mit der Leistung eben dieser Solaranlagen durften sich drei von uns in einem „Fahrrad-Pferderennen” messen. Leider verloren wir – wohl nicht ganz unerwartet – das Rennen darum, wer mehr Strom für sein Rennpferd generieren kann. Sekisuiheim zeigte sich angenehm flexibel, indem auf unseren Wunsch, eines der Vorzeigehäuser besichtigen zu wollen, schnell und unkompliziert eingegangen wurde.

Anschließend hatten wir etwas Zeit für einen Spaziergang in Ureshino, so dass wir bei angenehmem Wetter auch mehr als das Innere von Unternehmen zu sehen bekamen. Es folgte ein weiteres Highlight der Reise, nämlich die Unterbringung im Hotel Taishouya, einem Ryokan. Nach dem üppigen Abendessen konnten wir so den Abend entspannt im Onsen ausklingen lassen.

Donnerstag, 27. Mai 2010

Der dritte Tag der Exkursion führte uns weg von den Industrieunternehmen hin zu einem traditionellen japanischen Handwerksbetrieb, der Töpferei Genemongama. Seit über 250 Jahren wird hier in der Tradition des „Alten Imari” per Hand Porzellan hergestellt und kunstvoll bemalt. Die Führung fing mit einem kurzen Besuch des betriebseigenen Museums an und führte uns dann in die Werkstatt. Aufkommende Fragen wurden beantwortet, während wir den geschickten und hochkonzentriert arbeitenden Mitarbeitern über die Schultern schauten. Im Nachbargebäude besichtigten wir dann noch den beeindruckenden Brennofen und wurden dann in die Verkaufsräume geführt, wo wir die kunstvollen genemongama-kleinEndprodukte bewundern durften.

Thematisch blieben wir mit einem anschließenden Spaziergang durch „China on the Park” beim Porzellan. Auch hier wurde handgemachte Arbeiten ausgestellt und verkauft. Von kleinen Tellerchen bis hin zu riesigen, auch bei der EXPO ausgestellten Vasen gab es hier alles, was das Herz erfreut. Abgerundet wurde der Vormittag durch ein gemeinsames Mittagessen im in der Nähe befindlichen Restaurant „Kurintou”.

Von den feinen Handwerksleistungen kommend wurde es nun wieder ganz groß. Es ging zu Namura Zosensho, einer Werft, die Tanker herstellt. Nach einer kurzen Einführung bestiegen wir wieder den Bus. Gemeinsam mit dem Unternehmensvertreter durchfuhren wir so das Betriebsgelände und gewannen dadurch einen Überblick über die Ausmaße des Unternehmens und – vor allem – über die beeindruckenden Ausmaße der Produkte. Zunächst besichtigten wir die Herstellung der „Bauteile”, die danach wie riesige Legosteine auf dem Gelände gelagert wurden. Bei der Umfahrung des Trockendocks sahen wir dann, wie diese zusammengesetzt wurden und der Tanker seine gewaltige Form annahm.

Auf dem Weg nach Fukuoka ging es dann wieder kurz in die Natur nach Kagamiyama, einem Aussichtspunkt mit einem schönen Blick auf „Niji no Matsubara”

Freitag, 28. Mai 2010

Am vorletzten Tag ging es zu TOTO, einem Unternehmen, mit dessen Produkten wir im japanischen Alltag – zumindest unbewusst – täglich in Berührung kommen. TOTO stellt nämlich Bäder- und Toilettenausstattungen her. Zum Warmwerden sahen wir die neusten TV-Spots. Nachdem uns verschiedene Toilettenarten und -größen vorgestellt wurden, ging es in die Produktionshallen. Hier begegnete uns Altbekanntes aus der Töpferei Genemongama, da viele Teile der Produkte ebenfalls aus Porzellan hergestellt wurden und dementsprechend ähnliche Arbeitsschritte erforderlich sind. Allerdings waren viele der in der Töpferei gesehenen Arbeitsschritte bei TOTO automatisiert. Zurück im Vortragsraum erfuhren wir dann, wie viel Technik in Toiletten stecken kann; vor allem, wenn man versucht, einen möglichst wassersparenden, aber doch ausreichenden Spülvorgang zu entwickeln. Beim der anschließenden Fragerunde drehte sich dann viel um den Themenbereich Umwelt. Aber auch der anvisierte Markteintritt als Luxusmarke in Europa nahm einen großen Platz in der Diskussion ein. Auch von Seiten TOTOs wurde die Chance gerne genutzt, um nach unserer Meinung – quasi stellvertretend für den europäischen Kunden – zu fragen.

Nach dem Mittagessen ging es zum Yawata Werk von Nippon Steel. Das frühere Staatsunternehmen produziert seit 1901 unter anderem Stahlplatten und Stahlrohre und nimmt mit seinen heute noch etwa 15.500 Mitarbeitern eine führende Rolle innerhalb Japans Stahlproduktion ein. Nach einer ausführlichen Einführung in die Unternehmensgeschichte per Film und Vortrag ging es im Bus zu den einzelnen Stationen unserer Besichtigung. Auf dem Weg dorthin konnten wir jeweils die beeindruckenden Industriebauten und Röhrenlabyrinthe auf dem riesigen Areal bestaunen. Als erstes ging es sofort in das Herzstück der Stahlproduktion, dem riesigen Hochofen. Danach durften wir das Innere des Walzwerks sehen, das aber leider aufgrund von Wartungsarbeiten am Besichtigungstag nicht in Betrieb war.

Der Tag wurde mit einer kurzen Station bei Shibata Chouchin-tan, einem weiteren traditionellen Handwerksbetrieb, abgerundet. Hergestellt werden hier Papierlaternen, die für regionale Feierlichkeiten verwendet und dort zu einer großen Lichterpyramide zusammengesetzt werden. Jeder von uns erhielt die Gelegenheit, seine eigene Papierlaternen herzustellen und durfte diese dann auch als Erinnerungsstück mitnehmen.

Samstag, 29. Mai 2010

Unserer letzte Besichtigung führte uns zu einem weiteren Handwerksbetrieb, zu Nagasawa Yuinou-ten. Überaus freundlich und charmant wurden wir von Herrn Nagasawa in die Herstellung und Bedeutung der hier verkauften traditionellen Geschenkartikel eingewiesen. Da die Erklärungen mit persönlichen Geschichten angereichert wurden, war diese  letzte Besichtigung unserer Exkursion sehr kurzweilig. Zum Abschluss bekam jeder von uns ein Glücksbringer für das Neujahrsfest überreicht, bevor der Ausflug nach Kyushu zusammen mit Herrn Nagasawa mit einem Gruppenfoto beendet wurde.

Auch bei dieser Exkursion wurden sämtliche Firmenbesichtigungen durch Kurzreferate während der Anfahrt eingeleitet und endeten nach der Besichtigung mit einer kurzen japanischen Dankesrede sowie der Übergabe einer Flasche deutschen Weins an unsere Gastgeber.

TOP