05.04.2010

Symposium zum Thema „Die Rolle der Mehrsprachigkeit in der Wissenschaft“

Am 2. April fand unter Leitung des Goethe-Instituts Japan in Tokyo das Symposium „Die Rolle der Mehrsprachigkeit in der Wissenschaft“ statt. Vor dem Hintergrund eines zunehmend englischsprachigen wissenschaftlichen Umfelds und der sich daraus ergebenden Sorge, Deutsch könne im wissenschaftlichen Austausch weiter verdrängt werden, bezogen die Referenten von verschiedenen wissenschaftlichen Institutionen durch Vorträge und einer anschließenden Diskussion Stellung. Eröffnet und moderiert wurde die Veranstaltung von Dr. Uwe Schmelter, dem Leiter des Goethe-Institutes Japan. Als Vertreterin der DAAD-Außenstelle Tokyo nahm Frau Dr. des. Katrin Dohlus an der Podiumsdiskussion teil.

Im ersten Vortrag hob Prof. Dr. Florian Coulmas vom Deutschen Institut für Japanstudien die dominante Stellung des Englischen in der Wissenschaft hervor, dem gegenüber sich auch die deutsche Wissenschaft öffnen sollte. Im zweiten Vortrag schilderte Prof. Dr. Thomas Henne, DAAD-Fachlektor für Jura, seine Erfahrungen aus seinem Arbeitsumfeld an der Tokyo Universität. Dort werde Englisch und Deutsch als Arbeitssprache genutzt, wobei der Sprachgebrauch hin zum Englischen tendiert. Prof. Keiichi Aizawa von der Universität Tsukuba trug im letzten Vortrag die Sorge vor, dass sich die deutsche Wissenschaft durch eine weitere Öffnung zum Englischen hin selbst disqualifizieren könnte und rief dazu auf, der Umstellungstendenz auf das Englische entgegenzutreten.

zuhoererDie anschließende Diskussion zeichnete sich durch eine rege Beteiligung des Publikums aus. Unter anderem wurde die Frage erörtert, ob durch die Hinwendung zum Englischen die Qualität der Forschung nicht beeinträchtigt werde, da die Wissensgenerierung durch die Übertragung in eine Fremdsprache verformt werden könnte. Auch wurde diskutiert, ob durch die geringer werdende Bedeutung des Deutschen als Wissenschaftssprache die Motivation der japanischen Studenten abnimmt, die deutsche Sprache zu erlernen. In den Vorträgen und während der Diskussion wurde deutlich, dass das Englische als Lingua Franca durch die fortschreitende Vernetzung der Wissenschaft immer wichtiger wird und man sich aus diesem Grund frei von jedweder Ideologie pragmatisch dieser Sprache öffnen sollte.

Benedikt Heckmann, Praktikant der AS Tokyo

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