24.03.2010

Erfahrungsbericht zum 29. Interuni-Seminar in Kashi

“Das Interuni-Seminar ist ein Ferien-Blockseminar, bei dem Studenten, Doktoranden und auch bereits Graduierte verschiedenster Fachrichtungen aus allen Universitäten Japans fünf Tage lang (mit vier Übernachtungen) zusammen Deutsch lernen und auf Deutsch diskutieren. Menschen, die sich bis dahin fremd waren, kommen zusammen, um Deutsch zu lernen, mit Köpfchen zu spielen, mit Deutsch zu denken und auf Deutsch zu diskutieren.

Organisiert wird das alles vom Organisationskomitee des Interuni-Seminars, einer nichtprofitorientierten Gruppe japanischer und deutscher Professoren und Deutschlehrer aus verschiedenen Hochschulen mit großzügiger Unterstützung durch das Goethe-Institut und den DAAD.”
(Quelle: http://interuni.jp/)

Vom 12. bis zum 16. März 2010 fand das 29. Interuni-Seminar in Kashi statt. Unten finden Sie einen Erfahrungsbericht.

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Erfahrungsbericht


Durch mein Praktikum beim DAAD habe ich die Möglichkeit erhalten, als Praktikantin am 29. Inter-Uni-Seminar in Kashi teilzunehmen. Auch wenn ich mir zunächst nicht genau vorstellen konnte, wie diese fünf Tage ablaufen würden, habe ich mich schon vor der Abreise sehr darauf gefreut.
Am 12. März versammelten sich die Teilnehmer, Lehrer und Praktikanten am Treffpunkt in Tokyo, um mit zwei großen Bussen in die Berge von Fukushima, nach Kashi, zu fahren.
Bereits auf der Reise zum Seminarhaus begann die Arbeit der Praktikanten und wir versuchten, Gespräche mit den japanischen Studenten zu beginnen, um das Eis zu brechen. Einige Studenten sprachen schon mehr Deutsch als erwartet und konnten so gut wie ohne Probleme kommunizieren, andere waren noch nicht so flüssig, aber bemühten sich sehr, ihr Deutsch anzuwenden und sich neue Wörter schnell zu merken.
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In Kashi angekommen begann das Programm gleich mit der Einteilung der Studenten in zehn Gruppen, wobei in mehreren Durchläufen die Deutschkenntnisse evaluiert und die Studenten in verschiedene Sprachlevel eingeteilt wurden.
Jeder Praktikant wurde schließlich einer Gruppe zugeteilt und stellte somit während des Seminars nicht nur eine Hilfe zum Deutschlernen, sondern vor allem einen vertrauten Ansprechpartner dar.
Auch mir ist meine Gruppe D über die Tage sehr ans Herz gewachsen und wir verbrachten nicht nur im Unterricht, sondern auch in der Freizeit viel Zeit miteinander.
img_4140 Die Studenten absolvierten an den anschließenden Tagen vier Unterrichtsblöcke von je drei Stunden zum Thema „Globalisierung auf dem Teller“. Dieses Thema bot viele verschiedene Möglichkeiten, über die Esskultur Japans und Deutschlands und deren Veränderungen sowie Problematiken wie Massentierhaltung und den Fast-Food-Boom zu sprechen. Anfangs gelernte „Redemittel zur Diskussion“ fanden in späteren Unterrichtseinheiten Anwendung, so dass im Laufe der Zeit mehr und mehr diskutiert werden konnte.
img_4135 Am ersten Unterrichtstag hörten die Studenten zwischen den Unterrichtsblöcken einen Vortrag zu diesen Themen von Frau Herrad Heselhaus (Professorin an der Universität Tsukuba), der die Grundlage für die Diskussionen im Nachmittagsunterricht und im Abendprogramm darstellte.
Einen interessanten Vortrag über ihre eigene Esskultur lieferten auch die koreanischen Gäste.
Besonders am „Studentischen Tag“ konnte ich viel Zeit mit meiner Gruppe und anderen Seminarteilnehmern verbringen, da kein Unterricht stattfand. Stattdessen arbeiteten alle fleißig an ihren Präsentationen für den Tag der Abreise, genossen das heiße Bad im Onsen, spielten Karten oder Tischtennis und nutzen die Möglichkeit zum Gespräch auf Deutsch mit den Praktikanten und den Gästen aus Korea.

img_4216 Jeden Tag fanden zunächst das Abendprogramm, bestehend aus Sprachspielen, Ostereier bemalen, Sütterlin schreiben lernen und vielem mehr, und dann ein „Kneipenabend“ statt, der trotz der Erschöpfung des Tages von Studenten und Lehrern gleichermaßen gern besucht war. Nichtsdestotrotz fehlte, ganz der japanischen Ausdauer entsprechend, kaum jemand zum Frühstücksbeginn am nächsten Morgen.
Das Seminar wurde mit einer Schlussfeier am letzten Abend abgerundet. Es gab viele japanische Köstlichkeiten aus der Seminarhausküche, die uns die gesamte Tagungszeit über mit leckeren Mahlzeiten bewirtete, selbstgekochte deutsche Kartoffelsuppe, sowie verschiedene deutsche Brot-, Wurst- und Biersorten zum Probieren. Die Studenten gaben Klavierstücke und Gesangsowie lustige Vorführungen und deutsche Zungenbrecher zum Besten.
img_4422 Am letzten Vormittag vor der Abreise stellten schließlich alle Gruppen ihre Werke vom „Studentischen Tag“ vor. Es gab viele kleine Theaterstücke zum Thema Essen und Esskultur, ein Quiz über die Herkunft verschiedener Gerichte und sogar einen reflektierenden Bericht über das Essen des diesjährigen Inter-Uni-Seminars. Alle Gruppen stellten ihre Präsentationen, oft sogar komplett auswendig, auf Deutsch vor.
Nach fünf Tagen in Kashi fiel der Abschied von den neu gewonnenen Freunden vielen schwer. Man tauschte Kontaktadressen aus, schoss Erinnerungsfotos und nahm sich vor, sich entweder beim nächsten Inter-Uni-Seminar in Japan oder auch in Deutschland wieder zu treffen.
Für mich war das Inter-Uni-Seminar eine lehrreiche und interessante Erfahrung, und ich freue mich, dass ich die Möglichkeit hatte, daran teilzunehmen.
Vielen Dank für die tolle Zeit vor allem an die Organisatoren, aber auch an die Lehrer, Praktikanten, Studenten, besonders meine Gruppe D und die Mitarbeiter unseres Seminarhauses in Kashi.
Wenn ich wieder einmal die Möglichkeit haben sollte, am Inter-Uni-Seminar teilzunehmen, möchte ich sie gerne wahrnehmen!

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Astrid Kirk, Praktikantin der AS Tokyo

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