Impressionen der 30-Jahr-Feier
(Von Jonathan Klein, Praktikant der DAAD-Außenstelle Tokyo)


Freitag, 30.05.08. Tag eins der 30-Jahr Feier der DAAD Außenstelle Tokyo.



Das organisierte Chaos

Im Konferenzraum des DAAD-Büros stapeln sich die Kartons, bereit für den Abtransport zum Campus der Meiji Gakuin Universität. In wenigen Stunden werden dort die Feierlichkeiten anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Außenstelle beginnen. Einen Großteil des Inhalts der Kartons nehmen die 400 Begrüungsbeutel für die Gäste ein: ein Baumwollbeutel mit dem 30-Jahr-Logo des DAAD mit Programmheft, Teilnehmerliste, Lageplänen und einer CD mit deutschen Bands, die ihre Songs auf Japanisch eingespielt haben.


Team DAAD

Den großen Konferenztisch bevölkern zudem Einladungen, Pläne, Namensschilder, DAAD-Halsbänder, Stifte, und Kaffeetassen. Die Mitarbeiterinnen und Praktikanten der Außenstelle bereiten die letzten Kleinigkeiten vor. Nach monatelanger Planung und Vorbereitung kann es nun losgehen.

Auf dem Campus müssen sich alle erst einmal in die neue Situation hineinfinden: was soll wohin, wer macht was, wann und warum überhaupt, werden die Fragen der nächsten drei Tage sein. Doch dank der minutiösen, für jeden Helfer individuell festgelegten Arbeitsplanung von Natascha Maurer hält sich die Verwirrung in Grenzen. Letzte Unwägbarkeiten werden durch das Improvisations-Geschick der Helfer und Mitarbeiter schnell wettgemacht. Schilder werden angebracht, damit im Land der Warnhinweise und Bedienungsanleitungen kein Gast den Hörsaal, die Mensa oder die Toiletten zu lange suchen muss. Die Gäste treffen ein. Das Fest beginnt. Glücklicherweise bleibt es trotz Wolkendecke während des Nachmittags und frühen Abends trocken.


Gute Laune dank guter Planung

Bald schon drängen sich die Teilnehmer am DAAD-Stand, um sich zu registrieren und die Willkommensbeutel und die Eintrittskarten für das Konzert, den Auftakt des Jubiläums, in Empfang zu nehmen.
Professor Ryuichi Higuchi, Präsident des DAAD-Freundeskreises, hat nicht nur die Meiji Gakuin Universität als Veranstaltungsort gewinnen können, sondern sorgt an diesem Freitagabend überdies mit seinem Bach-Orchester für die musikalische Einstimmung auf das bevorstehende Programm.


Professor Ryuichi Higuchi


Weinempfang im 10. Stock

Im Anschluss daran werden die Gäste zum Weinempfang im 10. Stock des Hauptgebäudes geladen. Durch die riesige Fensterfront blickt man von hier auf die Skyline Tokyos und vergnügt sich bei deutschem Wein und Brezeln.
Währenddessen bereiten die Helfer den Plenarsaal für den nächsten Tag vor. Die Technik wird angeschlossen, und als die Gäste nach dem Empfang den Campus verlassen, ist für den nächsten Morgen alles bereit. Im strömenden Regen machen sich die Besucher auf den Heimweg. Sich an der japanischen Gastfreundschaft orientierend stehen auch hier die Helfer und Praktikanten bereit, begleiten die Teilnehmer mit einem Schirm zum Taxi und helfen beim Einsteigen. Der erste Teil der Veranstaltung ist "geschafft." Ein kurzes Aufatmen, bevor es am nächsten Morgen in aller Frühe weitergeht.

Samstag, 31.05.2008. Tag zwei der 30-Jahr-Feier der DAAD Außenstelle Tokyo.



Bereit für den Einsatz


Campus der Meiji Gakuin Universität. Unter dem Vordach von Gebäude drei vor dem strömenden Regen geschützt, setzen die Helfer mit den Jubiläums-Plakaten des DAAD erfrischende Farbakzente an diesem nass-grauen Samstagmorgen: Ein roter Fuji-san auf weiß-blauem Hintergrund. Ein Schild mit den bekannten vier großen Buchstaben markiert die Eingangstür zum provisorisch eingerichteten DAAD-Büro. Hier werden die Helfer mit den notwendigen Utensilien für ihren frühmorgendlichen Einsatz auf dem Campus ausgerüstet: DAAD-T-Shirts, bodenlange Regenmäntel vom 99-Yen-Shop und Namenschilder.
Einige müssen sich auf freies Gelände begeben, um auch unter diesen widrigen Wetterverhältnissen durch ausreichende Beschilderung sicherzustellen, dass alle, überall, sofort wissen, wo sie als nächstes erwartet werden. Angesichts des von uns so straff durchgeplanten Programms wird sich nämlich keiner der Gäste zu irgendeinem Zeitpunkt erlauben wollen, durch Orientierungslosigkeit von diesem eng gesteckten Zeitplan abzuweichen.



Jubiläumslogo


Gäste treffen ein

Während der Begrüßungszeremonie und des Eröffnungsvortrags des Ehrengastes und Nobelpreisträgers Prof. Dr. Peter Grünberg warten die am DAAD-Stand verbliebenen Helfer angespannt auf die anstehende Kaffeelieferung. In letzter Sekunde treffen die großen, bis oben hin gefüllten Thermos-Fässer ein. Die Teilnehmer strömen aus dem Saal und greifen begierig nach dem wärmenden Muntermacher. Ein Podiumsgespräch steht auf dem Programm, doch beinahe pflichtvergessen drohen einige der Gäste, in Gespräche vertieft, diesen nächsten Punkt aus den Augen zu verlieren. Gerade noch rechtzeitig können sie durch rhythmische Klatschgeräusche von Helfern und Veranstalterinnen zurück in den Saal gescheucht werden. Eine erste Zwischenbilanz ergibt, dass wir mit unserem Marathonprogramm gut in der Zeit liegen.
Die nächste Etappe ist das Mittagsbuffet, zu welchem die Gäste wegen des weiterhin starken Regens auf einem überdachten Parcours durch Gebäude und Raucherecke geleitet werden. Das Angebot ist reichlich, und es tut gut, sich nach diesem erlebnisreichen Vormittag eine Stärkung gönnen zu können. Der Nachmittag wird durch die einzelnen AGs ausgefüllt, für die die Helfer in der Zwischenzeit Räume und Technik vorbereitet haben.
Im Anschluss an die AGs dann die vermeintlich letzte Herausforderung des Tages: Alle knapp 300 Gäste müssen zügig zu den am Osttor wartenden Bussen gelotst und zum Abendempfang im Industrieclub befördert werden. Der Weg zum Osttor ist nicht weit, aber unübersichtlich. Und die Zeit drängt. Den Weg entlang postieren sich in Sichtweite voneinander die in Regenmäntel gehüllten Helfer. Dem Vorbild der in Japan so weit verbreiteten Straßen- und Baustellenbewacher nacheifernd, weisen die Helfer allen Teilnehmern den kürzesten Weg zu ihren Bussen. Und obwohl ihnen für diese Aufgabe weder Leuchtstäbe noch Fähnchen zur Verfügung stehen, meistern sie auch diese Herausforderung bravurös.


Im Industrieclub angekommen sind alle beeindruckt von den vornehmen Räumlichkeiten, in denen der Empfang stattfindet. Generalsekretär Dr. Christian Bode erklärt gleich, um eventuellen Missverständnissen vorzubeugen, dass es sich hierbei jedoch nicht um die DAAD-Außenstelle handelt; obwohl er gleichzeitig anerkennt, dass ihrer Erscheinung nach diese Räume den Ansprüchen an eine solche durchaus gerecht werden würden.
Endlich können sich auch Helfer und Veranstalter ein bisschen entspannen und bei einem Glas Bier oder Wein die nette Atmosphäre und das leckere Essen genießen. Erschöpft, doch wohl wissend, dass der Großteil der Veranstaltung erfolgreich über die Bühne gegangen ist, machen sie sich auf den Weg nach Hause.


DAAD-Praktikanten im Industrieclub

Sonntag, 01.06.2008. Tag drei der 30-Jahr-Feier der DAAD Außenstelle Tokyo.

Pünktlich zum Beginn der offiziellen japanischen Regenzeit hat Petrus doch ein Einsehen mit den fleißigen Teilnehmern und Helfern und schickt an diesem Sonntagmorgen statt des zu erwartenden strömenden Regens blauen Himmel und strahlenden Sonnenschein. Während diese Zügellosigkeit des Wetters irritieren mag, bleibt unsere Vorgabe für den letzten Tag der Veranstaltung jedoch klar und vorhersehbar: Hier soll auch heute wieder alles nach Plan laufen.
Endlich kann die ganze Palette der DAAD-Informationsplakate aufgeboten werden. Auch die Plakate, die während der vergangenen Tage wegen ihrer Größe unter keinem Vordach Platz gefunden hatten, kommen heute im strahlenden Licht der Sonne zum Zuge. Von allen Seiten leuchtet dem gut gelaunten Besucher des Shirokane-Campus an diesem Morgen der blau-weiße Schriftzug mit den vier Buchstaben entgegen.



Farbenfrohe DAAD-Plakate


Kaffeepause bei Sonnenschein


Gute Laune

Die Berichte aus den AGs vom Vortag leiten den Schlussspurt zu diesem Jubiläum ein. Beim DAAD-Stand ist derweil ein Gefühl der Abgeklärtheit und Gelassenheit eingekehrt, welches auch bei der anschließenden Kaffeepause spürbar wird: Nach Ablauf der veranschlagten 15 Minuten werden ganz routiniert mit einer Glocke alle Teilnehmer dazu aufgerufen, so kurz vor dem Ziel nicht den Anschluss an das Programm zu verlieren. Auch wenn es noch nicht der beruhigende, freundliche Klang einer &qout;Nehmt Abschied Brüder&qout;- Melodie ist, ist das süße Läuten der Glocke doch eine deutliche Weiterentwicklung zum hektischen und einschüchternden Klatschen des Vortages.

Wieder im Plenarsaal, wird auf dreißig Jahre Außenstelle Tokyo zurückgeblickt und auch über die Zukunft der deutsch-japanischen Wissenschaftsbeziehungen gesprochen. Vergleichbar leichte Kost für die Ausdauerteilnehmer. Dann ist es geschafft, und alle, die bei diesem reichhaltigen Programm aus wissenschaftlichen Vorträgen, Konzerten, Gesprächskreisen, AGs und Empfängen bis zum Ende durchgehalten haben, werden für ihr Durchhaltevermögen zusätzlich zu der schon erhaltenen Kopf-Nahrung auch noch mit einem "Obento" zur körperlichen Stärkung belohnt.
Die Helfer jedoch stehen noch vor einer letzten Geduldsprobe: Die wohlwollend von den Teilnehmern aufgerollten Kopfhörer der beinahe 400 ausgegebenen Übersetzungsgeräte müssen entwirrt und in vorgeschriebener Art und Weise wieder zusammengeknüpft werden. Dabei müssen drei verschiedene Längen identifiziert und entheddert werden. Die Widerspenstigkeit, mit der sich diese Kabel gegen jegliche von den Helfern aufgezwungene Ordnung wehren, erinnert an den Kampf der &qout;Bravehearts&qout; gegen die Engländer - und dauert fast so lange wie der gleichnamige Film mit Mel Gibson. Doch am Ende siegt auch hier die Ordnung und endlich kann der Campus geräumt werden.



Kampf gegen unbeugsamen Kabelsalat


Aufopferungsvoll und der Verzweiflung nahe

Ein langes Wochenende findet sein Ende, doch viel Zeit zum Erholen bleibt nicht. Am nächsten Morgen nimmt der Arbeits- oder Universitätsalltag wieder seinen Lauf. Aber im Vergleich zu dem Programmmarathon, den Helfer, Veranstalter und Teilnehmer an diesem Wochenende hinter sich gebracht haben, wird dem ein oder anderen wohl selbst dieser wie Erholung erscheinen...